
Am 15. und 16. Juni 2026 fand im kleinen Saal im Bürgerhaus Rodheim eine beeindruckende, erschreckende und mit 88 Besuchern nur mäßig frequentierte Ausstellung über Terrorakte in Hessen seit dem 2. Weltkrieg statt. Am Mittwoch zieht die lohnenswerte Ausstellung nach Krofdorf weiter, wo dann immerhin Schulklassen der Gleiberger Gesamtschule kommen wollen. Ich lade Sie hier zu einem kleinen, stillen Rundgang ein:





In Erweiterung dieser Ausstellungsgedanken möchte ich noch einige Aspekte aus der >Neuen Züricher Zeitung<, „Der andere Blick am Morgen“ vom 17.6.26 anfügen. Morten Freidel, stellv. Chefredakteuer der NNZ Deutschland, schreibt da: Jeder Jude, der in Deutschland lebt, ist für das Land ein Glücksfall. Sie alle sind der lebende Beweis dafür, dass die Nachfahren der Opfer des Holocaust und die Nachfahren der Täter heute in Frieden miteinander leben können. Sie sind aber auch Seismografen gesellschaftlicher Erschütterungen. Nur sie können Auskunft darüber geben, wie sich der grassierende Antisemitismus im Alltag auswirkt und ob jüdisches Leben noch möglich ist. Wenn sie etwas sagen, sollte man zuhören. (Hervorhebung Lindemann)
Leider halten sich viele Deutsche immer häufiger die Ohren zu. (Die Folge solcher Abkapselung ist, dass einem die Welt außerhalb der eigenen In-group bedrohlich-feindlich erscheint (Harmut Rosa) und zum Schutz des eigenen Weltbildes ausgeschlossen, remigriert = deportiert oder vernichtet werden muss.)
Beispielhaft schildert Freidel, dass jüdische Redner*innen bei Veranstaltungen ausgeladen werden.
z.B. die jüdische Autorin Mirna Funk, die eigentlich anlässlich des Philosophiefestivals phil. Cologne sprechen wollte. Kurz vor dem Termin sagte der künstlerische Leiter ihr ab. Gegenüber dem „Kölner Stadtanzeiger“ begründete er das damit, dass Funk pauschalisierte und sich gegenüber bestimmten Menschengruppen diskriminierend äußere. Als Beispiel nannte er eine Kolumne in der „Welt“. Darin hatte sich geschrieben, dass die größte Gefahr für die jüdische Community aktuell von den in Deutschland lebenden Arabern, Türken und ihren deutschen Sympathisanten ausgehe.
Natürlich dürfe Funk ihre Meinung sagen, aber dennoch dreht man ihr das Mikro ab.
Der Vorgang (nicht der einzige) an sich ist für ein Land, das es mit der Aufarbeitung seiner Vergangenheit ernst nimmt, schlimm genug.
Mindestens ebenso irritierend ist die Begründung des künstlerischen Leiters. Denn Mirna Funk wollte in Köln über Macht und Schönheit diskutieren; dabei wäre es wohl kaum um die Schattenseiten ungeregelter Migration gegangen. Es war offenbar schon Funks Anwesenheit, die man auf der Bühne nicht ertragen konnte.
Hinzu kommt: Mira Funk hatte mit ihren Äußerungen in ihrer Kolumne recht. Das war nicht ihre privat Meinung, sondern Fakten – nachzulesen in der jüngsten Statistik über politisch motivierte Kriminalität des Bundeskriminalamtes: Die Zahl antisemitischer Straftaten erreichten im Jahr 2025 einen Höchststand, am stärksten stieg sie im Bereich der „ausländischen Ideologie“. Dabei sind studentische Irrläufer von links und Islamisten mittlerweile eine unheilige Allianz eingegangen, wie man auf Palästinademos in Berlin gut sehen kann.
Am Ende macht es wenig Sinn, den Terror von Rechts oder Links oder aus dem islamistischen Lager für schlimmer zu halten. Schlimm, so scheint mir, ist, dass wir einander immer weniger zuhören, auch im persönlichen Alltag immer weniger direkt kommunizieren, uns immer seltener kontroversen Diskussionen stellen, Ambivalenzen und Differenzen aushalten und uns immer weniger berühren, anrühren, irritieren lassen, weniger resonant, betroffen Antworten und kaum noch zu Veränderungen der Perspektive und Haltung fähig scheinen. Und dennoch sind in komplexen Prozessen immer wieder Überraschungen möglich, die sich aus der letztendlichen Unverfügbarkeit der Welt ergeben.
Fotos: Lindemann
